Biologie

Ansammlungen

Großtrappen leben gesellig, meist in kleinen Trupps und nach Geschlechtern getrennt. Im Winter können sich in Ostösterreich jedoch größere Trupps von mehr als 380 Individuen zusammenfinden, wobei sich in den Weibchentrupps in der Regel auch die Jungtiere der letzten Fortpflanzungsperiode aufhalten. Die großen winterlichen Ansammlungen, die mitunter eine gesamte Teilpopulation umfassen, zerstreuen sich zumeist im März wieder.

Balz

Charakteristisch für die Großtrappe, die einzige polygame Trappenart, ist ihre spektakuläre Balz, die sich in Österreich alljährlich hauptsächlich im April und Mai zumeist an denselben, in der Regel bereits seit Generationen genutzten Balzplätzen abspielt.
Bei der Balz dreht der Hahn mit einem Ruck das braungraue Flügelgefieder so um, dass die weißen Ellbogenfedern und die weiße Unterseite des Flügelgefieders zuoberst liegen.
Der normalerweise gut getarnte Vogel verwandelt sich damit in einen zuckenden, weißen Federball, der paarungsbereite Weibchen über große Entfernungen anlockt. Das Schauspiel der Trappenbalz, wenn in der Dämmerung rundum die weißen Blinklichter in der Ebene aufleuchten und verlöschen, ist für den Betrachter ein unvergessliches Erlebnis.

Die Balzzeit ist aber auch eine konfliktreiche Zeit. Konflikten geht meist eine minutenlange Pfahlstellung der Kontrahenten voraus. Dabei eilen im großen Umkreis schaulustige Junghähne herbei, die mitunter aktiv in das Streitgeschehen eingreifen. In den meisten Fällen verlieren die Widersacher nur eine handvoll Federn.

 

Kämpfende Großtrappen

Großtrappen Hahn und Henne bei beinaher Kopulation

Nistplatz

In Österreich sucht sich ein Großteil der Trappenhennen im Umkreis von 5 km, einzelne Hennen jedoch in mehr als 10 km um den Balzplatz geeignete Nistmöglichkeiten. Den Nistplatz wählen die Hennen meist nahe dem Ort, wo sie selbst auf die Welt gekommen sind, wobei die meisten Trappen in den zentralen Brutgebieten der Population brüten, andere aber viele Kilometer davon entfernt.

Hat sich eine Trapphenne einmal für eine der beiden Möglichkeiten entschieden, bleibt sie offenbar ein Leben lang dabei. Großtrappenhennen sind sehr brutplatztreu, daher sind einzelne Brutplätze oft über Jahrzehnte besetzt. Für den Schutz der Großtrappe bedeutet dies, dass nicht nur Brutgebiete im Kerngebiet der Bestände, sondern auch neu besiedelte Brutplätze in einiger Entfernung davon zu schützen sind, da ihre lang andauernde Nutzung zu erwarten ist.

Der Nistplatz ist eine flache Mulde auf blankem Erdboden und wird in Österreich meistens auf Getreideäckern oder Brachen angelegt. Die meist zwei, seltener drei Eier werden 25 bis 27 Tage lang bebrütet, wobei die Henne vor allem zu Beginn der Brutzeit sehr störungsanfällig ist und das Gelege bei Beunruhigung sehr bald verlassen und aufgeben kann.

Küken

Die beim Schlupf etwa 90 g schweren Großtrappenküken sind Nestflüchter, die von Anfang an von der Henne geführt werden. Die Küken fressen in den ersten 2 bis 3 Lebenswochen nicht selbstständig, sondern werden von der Henne mit Futter versorgt. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen nutzen die Jungtrappen überwiegend Insekten als Nahrungsquelle, wobei die in den Getreidefeldern und Brachen zahlreich vorkommenden Heuschrecken eine wesentliche Rolle spielen. Viel hängt für die Überlebenschancen der Trappenküken davon ab, ob dieses tierische Eiweiß, das sie zu ihrem raschen Wachstum brauchen, in der Nähe des Brutplatzes in ausreichender Menge vorhanden ist - die Sterblichkeit der Trappenküken ist je höher, desto intensiver genutzt und damit nahrungsärmer und störungsreicher der Lebensraum ist.

Jungtrappen

Im Alter von 4 bis 5 Wochen werden die Trappenküken flugfähig. Sie drücken sich jedoch auch in diesem Alter bei Störungen fest in die Bodenvegetation, so dass Bewirtschaftungsmaßnahmen auf den Brutflächen bis Juli oder August zu Kükenverlusten führen können. Obwohl die Jungtrappen mit 10 bis 12 Wochen bereits etwa so groß sind wie die Henne, bleiben sie zumeist bis zur nächsten Fortpflanzungsperiode bei der Mutter.

Nahrung

Die Nahrung immaturer und erwachsener Großtrappen besteht überwiegend aus krautigen Pflanzen, sie fangen aber auch geschickt Großinsekten und Mäuse. Im Winter ernähren sich Trappen in unseren Breiten überwiegend von den Blättern von Raps und Luzerne.

Alter

Der Eintritt in die Geschlechtsreife erfolgt bei den Weibchen im Alter von 2 bis 4, bei Männchen von 5 bis 6 Jahren. Die Lebenserwartung erwachsener Tiere liegt bei 20 bis 25 Jahren.

Flugbewegungen

Großtrappen gehören zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde und sind kraftvolle und ausdauernde Flieger. Für die Großtrappe gibt es verschiedene Gründe, neben kleinräumigen auch großräumige fliegende Wechsel der Einstandsflächen durchzuführen, beispielsweise Flugbewegungen aufgrund eines Störereignisses. So fliegen hochgescheuchte Großtrappen entweder weiträumige Schleifen und kehren nach mehreren Minuten Flugzeit zu ihrem Abflugort zurück, oder fliegen großräumig zu einer anderen Einstandsfläche. 

Ein anderes Beispiel wären Flugbewegungen aufgrund von Winterflucht. So kommt es während außergewöhnlich strenger Winter zur Winterflucht, wobei Trappen über viele hundert Kilometer weit verstreichen können. Aufgrund der zahlreiche Flugbewegungen von Großtrappen und bedingt durch ihre eingeschränkte Wendigkeit und ihre große Spannweite von bis zu 2,30 Metern besteht durch die zahlreichen Stromleitungen in manchen Einstandsgebieten bzw. deren Umgebung sowie auf den Flugstrecken zwischen den unterschiedlichen Einstandsgebieten ernsthafte Kollisionsgefahr.

 

Lebensraum

Der optimale Trappenlebensraum in Mitteleuropa ist ein weiträumiges, wenig zerschnittenes, offenes und störungsarmes Ackerland mit extensiver Nutzung und großflächigen speziellen "Trappenbrachen".

Die Großtrappe (Otis tarda) ist ursprünglich ein Steppenvogel. Nach den Waldrodungen im Mittelalter wurde sie bis Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund der extensiven Dreifelderwirtschaft mit ihrem Wechsel von Ackerflächen und Brachen sowie einem hohen Anteil von Hutweiden ein häufiger Brutvogel in den Landwirtschaftsgebieten Europas.

Durch die umfassende Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis vor wenigen Jahren die ökologischen Bedingungen in der Agrarlandschaft grundlegend verändert und damit der Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, einschließlich der Großtrappe, zerstört. Gegenwärtig sind in Österreich geeignete Lebensräume für Großtrappen nur noch in Trappenschutzgebieten mit großflächig vorhandenen speziellen "Trappenschutzflächen" und speziell angepassten Managementmaßnahmen vorhanden.

Störungsarme "Trappenbrachen" mit ihrer struktur- und artenreichen Bodenvegetation und der dadurch bedingten arten- und individuenreichen Wirbellosenfauna sowie Getreideflächen, die zur Brutzeit weder gedüngt noch gespritzt werden, stellen optimale Bedingungen für die Brut und Jungenaufzucht dar.

Im Winterhalbjahr nutzen die Großtrappen regelmäßig auch außerhalb des Fortpflanzungsraumes liegende Ackerlandschaften zur Nahrungsaufnahme und Übernachtung. Dieses Winterareal ist damit in der Regel größer als das Fortpflanzungsareal. Neben den "Trappenbrachen" werden zu dieser Jahreszeit häufig insbesondere Rapsflächen zur Äsung aufgesucht, weshalb diese in den Wintereinstandsgebieten eine wichtige Rolle spielen.

Der Gesamtlebensraum, den eine Großtrappe im Jahresverlauf beansprucht, ist somit sehr groß, da sie unterschiedliche Frühjahrs-, Hochsommer-, Herbst- und Wintereinstandsgebiete nutzt. Jahreszeitlich bedingt kommt es bei allen Teilpopulationen der grenzüberschreitenden westpannonischen Population, also der länderübergreifenden österreichisch-ungarisch-slowakisch-tschechischen Population, zu regelmäßigen Verlagerungen der Haupteinstandsflächen.

Daher werden in den österreichischen Trappengebieten im Rahmen des österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) derzeit (2015) mehr als 5.500 ha speziell bewirtschaftete Ackerflächen ("Trappenschutzflächen") für die Großtrappe zur Verfügung gestellt, damit diese vom Aussterben bedrohte Vogelart in ihrem Lebensraum wieder geeignete Bedingungen vorfindet.

Das Trappengebiet "Westliches Weinviertel" umfasst große Teile des SPA "Westliches Weinviertel" (AT1209000). Alle Balz- und Brutplätze sowie wichtige Frühjahrs-, Hochsommer-, Herbst- und Wintereinstandsgebiete im Westlichen Weinviertel stehen durch Natura 2000 - Ausweisung unter Schutz. Die gegenwärtigen Haupteinstandsgebiete der Großtrappe in diesem Gebiet liegen nordöstlich des Manhartsberges in einer sanfthügeligen, über weite Strecken völlig baum- und strauchlosen Ackerbaulandschaft. Sie befinden sich im pannonischen Klimabezirk auf Hochflächen zwischen 240 und 315 m Seehöhe.

Trappengebiet "Westliches Weinviertel"
Das Trappengebiet "Marchfeld" umfasst große Teile des SPA "Sandboden und Praterterrasse" (AT1213V00). Dieses Natura 2000 Schutzgebiet umfasst alle von der Großtrappe auch aktuell als Haupteinstandsgebiete genutzten Lebensräume im Marchfeld. Hier stehen alle Balz- und Brutplätze sowie wichtige Frühjahrs-, Hochsommer-, Herbst- und Wintereinstandsgebiete durch Natura 2000 - Ausweisung unter Schutz. Die gegenwärtigen Haupteinstandsgebiete der Großtrappe im Marchfeld liegen zwischen 140 und 160 m Seehöhe.

Das Marchfeld, eine Ebene aus quartären Schotterablagerungen nacheiszeitlicher Verläufe der Donau, liegt nördlich der Donau zwischen Wien und der March. Im südöstlichen Teil, dem Winkel zwischen Zusammenfluss von March und Donau auf 140 bis 150 m Seehöhe, haben hoher Grundwasserstand und die Überschwemmungsflächen des früher mäandrierenden Russbachs bis in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts für sumpfiges Gelände und Röhrichte gesorgt, das nördliche, etwas höher gelegene Drittel des Marchfeldes aber, die Gänserndorfer Terrasse, war in der Zeit vor der Möglichkeit künstlicher Bewässerung von solcher Trockenheit geprägt, dass Landwirtschaft nur sehr eingeschränkt betrieben werden konnte und im Mittelalter einige Ansiedlungen wieder aufgegeben werden mussten. Im Nordosten des Marchfeldes sind noch heute Landschaftsformen und Böden von ehemals wandernden Sanddünen erhalten, die ab Kaiserin Maria Theresias Zeiten durch Aufforstung mit Kiefern befestigt wurden. Der Großteil des Marchfeldes ist aber von fruchtbarer Schwarzerde bedeckt und seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, beginnend mit Entwässerungen und Düngung im 19. Jahrhundert, intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Das Trappengebiet "Parndorfer Platte - Heideboden" umfasst das SPA "Parndorfer Platte - Heideboden" (AT1125129). Dieses Natura 2000 Schutzgebiet umfasst einen Großteil der von der Großtrappe auch aktuell als Haupteinstandsgebiete genutzten Lebensräume im Bereich Parndorfer Platte - Heideboden. Die gegenwärtigen Haupteinstandsgebiete der Großtrappe liegen in den Naturräumen Parndorfer Platte und Heideboden zwischen 130 und 180 m Seehöhe.

Die Parndorfer Platte erhebt sich als eine etwa 30 Meter hohe Schotterterrasse nordöstlich vom Neusiedler See und dem Seewinkel, deren markanter, teils von Löss bedeckter Südabhang heute überwiegend für Weinbau genutzt wird. Auf der Parndorfer Platte selbst sind natürliche Eichenmischwälder und Waldsteppen, deren Erscheinungsbild im Zurndorfer Eichenwald noch erahnbar ist, längst offener Kulturlandschaft pannonischer Prägung gewichen; bis ins vorige Jahrhundert herauf Weideland, mit ausgedehnten Hutweiden und eingestreuten Gehölzen, ist die Parndorfer Platte heute überwiegend baumfreies Ackerland, im Westen teils durch Windschutzgürtel gekammert und im Süden des Trappengebiets seit Ende der achtziger Jahre durch die Autobahn A4 und zwei Hochspannungsleitungen durchschnitten. An ihrem Nordrand fällt die rund 220 km² große Parndorfer Platte zur Leithaniederung hin ab, die hier zwischen Kleiner Leitha und Leitha eine von Wiesen und Auwaldresten bedeckte Ebene bildet. Der Naturraum des Heidebodens, einer weitgehend baumlosen Ebene von etwa 60 km² Größe nördlich der Leithaniederung, erstreckt sich über das Gebiet des Dreiländerdreiecks Ungarn, Slowakei und Österreich.

Mit dem Heideboden greift die Kleine Ungarische Tiefebene zwischen Donau- und Leithaniederung weit gegen die Hundsheimer Berge und das Wiener Becken hin aus. Auch der Heideboden ist beinah flächendeckend landwirtschaftlich genutzt, künstliche Bewässerung ermöglicht hier aber, anders als auf der Parndorfer Platte, den Anbau von Mais. Der gesamte Landschaftsraum der Parndorfer Platte und des Heidebodens liegt im pannonischen Klimabezirk und zählt zu den trockensten und sommerwärmsten Landschaften Österreichs. Jahresniederschläge sinken auf unter 500mm, Südostwind führt im Sommer häufig heiße und trockene Luftmassen heran, im Winter kontinentale Kaltluft.