Verbreitung und Bestand

International

Die Großtrappe hat möglicherweise die größte Verbreitung aller bedrohten Vogelarten - von der Iberischen Halbinsel und Marokko am Atlantik bis zur Pazifikküste Chinas, eine Entfernung von ca. 10.000 km.

Der Weltbestand umfasst derzeit ca. 44.000 bis 51.000 Individuen (Palacin & Alonso 2008). Ein Großteil davon, ca. 38.000 bis 47.000 Individuen, lebt in Europa. Die Zentren des Vorkommens liegen in Zentralspanien, in der großen ungarischen Tiefebene und in Südrussland. Mit rund 30.000 Individuen befindet sich mehr als die Hälfte des Weltbestandes in Spanien. Ungarn weist innerhalb der MoU-Länder (Unterzeichnerstaaten des Memorandum of Understanding on the Conservation and Management of the Middle-European Population of the Great Bustard) mit 1.555 Individuen im Jahr 2012 den größten Bestand auf, gefolgt von der Ukraine und Österreich.

Karte über die Verbreitung der Großtrappe weltweit
Verbreitung der Großtrappe weltweit

Verbreitung der Großtrappe in Google Earth öffnen (erfordert Google Earth Installation)

Tabelle: Geschätzte Populationen der Großtrappe in Europa in den Jahren 2004, 2008 und 2012. Daten für 2004 wurden während des internationalen "Scientific Symposium on the Great Bustard" in Illmitz, Österreich, im September 2004 zusammengestellt. Daten für 2008 wurden während des internationalen "Second Meeting of the Great Bustard MoU" in Feodosia, Ukraine, im November 2008 zusammengestellt.
Geschätzte Populationen der Großtrappe in Europa in den Jahren 2004, 2008 und 2012.
Land 2004 2008 2012 2016
Albania ? 0 ? ?
Austria 107 - 140 205 - 216 213 - 253 247-406
Bulgaria 0 - 10 0 - 6 ? -
Croatia 0 0 0 0
Czech Republic 1 - 6 0 0 0
Germany 85 110 123 238
Greece 0 0 0 -
Hungary 1300 1378 1555 1575
Macedonia ? 0 ? ?
Moldova 0 0 0 0
Montenegro 0 0 0 0
Portugal 1435 1399 1893 -
Romania ? 0 - 8 9 -
Russia 8000 - 10.000 6000 - 12000 5000 5000-6000
Serbia 30 - 36 35 - 38 3 - 5 10
Slovakia 10 0 - 3 0 - 2 391
Spain 23300 27500 - 30000 29400 - 34300 29400 - 34300
Turkey 700 - 1200 762 - 1250 400 - 1000 -
U.K. 0 7 - 15 20 -
Ukraine 640 - 850 520 - 680 520 - 680 520 - 680
Insgesamt 35600 - 38.500 37935 - 47.122 39136 - 44840 39971 - 46637
Verbreitung der Großtrappe in Europa sowie Bestandszahlen von 2008
Verbreitung der Großtrappe in Europa sowie Bestandszahlen von 2008

Ursprünglich lebte die Großtrappe in Steppengebieten. Wie fossile Funde zeigen, hat die Großtrappe in Mitteleuropa bereits die nacheiszeitliche Kältesteppe besiedelt. Die später einsetzende Bewaldung von weiten Teilen Europas hat dann den Lebensraum der Art stark eingeschränkt. Seit den großflächigen Rodungen im frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, war die Großtrappe als Kulturfolger in fast ganz Europa ein gewohnter Anblick auf den Ackerfluren. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte sie in Europa ihre größte Verbreitung. Um 1800 lebte die Großtrappe in großen Beständen in zahlreichen weiträumig landwirtschaftlich genutzten Gebieten Europas. Die Brutvorkommen erstreckten sich im Westen bis nach England und Schottland, im Norden über Dänemark bis nach Südschweden. In Russland lag die Arealgrenze im Vergleich zur aktuellen Situation damals 500 km weiter nördlich.

Mit der Aufgabe der Dreifelderwirtschaft sank auch für die Großtrappe die Vielfalt des Nahrungsangebotes. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und der Errichtung von Freileitungen (Mittel- und Hochspannungsleitungen) in der Neuzeit, besonders ab Mitte des 19. Jahrhunderts, setzten starke Bestandsrückgänge auf dem Kontinent ein, und zahlreiche Populationen erloschen. Ausgestorben sind die Bestände zuerst dort, wo sie an ihrer westlichen (England 1845) und nördlichen Arealgrenze (Schweden 1862) zusätzlich den für sie ungünstigen klimatischen Bedingungen ausgesetzt waren. In England hat vor wenigen Jahren ein aufwendiges Wiederansiedelungsprojekt begonnen.

Westpannonischer Raum

Lage des Untersuchungsgebiets „westpannonischer Raum“
Lage des Untersuchungsgebiets „westpannonischer Raum“

(schwarze Linie; 45.000 km²) in Ostösterreich (A; 8.649 km²), Ungarn (H; 22.195 km²), der Slowakei (SK; 10.176 km²) und der Tschechischen Republik (CZ; 3.971 km²). Umfangreiche Untersuchungen wurden in den 7 „Hauptuntersuchungsgebieten“ Westliches Weinviertel (WW), Marchfeld (MF), Rauchenwarther Platte (RP), Heideboden (HB), Parndorfer Platte (PP), Mosonszolnok (MS) und Hanság (HA) durchgeführt; Quelle: Raab et al. (2010).

Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 1970
Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 1970 (1964-1975; schwarze Fläche insgesamt ca. 2.895 km², davon ca. 1.419 km² in A, ca. 710 km² in H, ca. 696 km² in SK und ca. 69 km² in CZ); Quelle: Raab et al. (2010).
Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 1995
Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 1995 (1990-1999; schwarze Fläche insgesamt ca. 419 km², davon ca. 213 km² in A, ca. 142 km² in H, ca. 52 km² in SK und ca. 12 km² in CZ); Quelle: Raab et al. (2010).
Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 2005
Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe um 2005 (2000-2009; schwarze Fläche insgesamt ca. 515 km², davon ca. 336 km² in A, ca. 132 km² in H, ca. 32 km² in SK und ca. 15 km² in CZ); Quelle: Raab et al. (2010).
Vergleich der Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe zwischen 1970 (schwarze Fläche) und 2005 (graue Fläche, vgl. Abbildung weiter oben); Quelle: Raab et al. (2010).
Vergleich der Verbreitung der westpannonischen Population der Großtrappe zwischen 1970 (schwarze Fläche) und 2005 (graue Fläche, vgl. Abbildung weiter oben); Quelle: Raab et al. (2010).

Die westpannonische Population der Großtrappe ist von zumindest 3.500 Individuen im Jahr 1900 auf ca. 130 Individuen im Jahr 1995 zusammengebrochen. Die Gründe dafür waren die Lebensraumveränderungen, v. a. durch Intensivierung der Landwirtschaft und die Errichtung von Infrastruktureinrichtungen (insbesondere Mittel- und Hochspannungsleitungen), aber auch die Bejagung. Vom Tiefpunkt im Jahr 1996 bis zum Winter 2014/15 ist der Bestand aufgrund umfangreicher, grenzüberschreitender Schutzbemühungen wieder auf zumindest 505 Individuen angewachsen.

Winterbestände der westpannonischen Population der Großtrappe im Zeitraum 1900 bis 2015 (Angaben für 1900 bis 1990 beruhen auf Schätzungen aufgrund von Literaturangaben); Datengrundlage: Raab et al. (2010) und eigene Daten.
Winterbestände der westpannonischen Population der Großtrappe im Zeitraum 1900 bis 2015 (Angaben für 1900 bis 1990 beruhen auf Schätzungen aufgrund von Literaturangaben); Datengrundlage: Raab et al. (2010) und eigene Daten.

In den letzten Jahren ist der Bestand der westpannonischen Population der Großtrappe deutlich angestiegen. So hat sich die Zahl der Hennen von rund 80 im Jahr 1996 auf 305 im Jahr 2014 erhöht. Auch die Zahl der Hähne ist im selben Zeitraum von rund 50 auf rund 160 angewachsen.

Bestand der westpannonischen Population der Großtrappe (Brutzeitbestand sowie flügge Jungtrappen, die Anfang September noch am Leben waren) im Zeitraum von 1996 bis 2015; Datengrundlage: Raab et al. (2010) und eigene Daten.
Bestand der westpannonischen Population der Großtrappe (Brutzeitbestand sowie flügge Jungtrappen, die Anfang September noch am Leben waren) im Zeitraum von 1996 bis 2015; Datengrundlage: Raab et al. (2010) und eigene Daten.

Österreich

Die österreichischen Trappenbestände liegen am nordwestlichen Rand des drittgrößten europäischen Verbreitungskerns der Großtrappe in der Ungarischen Tiefebene. Die Schwerpunkte der österreichischen Verbreitung sind in Niederösterreich das Westliche Weinviertel, das Marchfeld sowie die Rauchenwarther Platte und im Burgenland der Heideboden, die Parndorfer Platte und der Hanság im Seewinkel.

Insgesamt ist der Bestand an Großtrappen in Österreich von etwa 700-800 Individuen gegen Mitte des 20. Jahrhunderts (1942) auf 150-170 Anfang der Siebziger (1970-1972) und etwa 100 Ende der Siebziger (1978) auf etwa 60 gegen Ende des Jahrhunderts zurückgegangen. Zur Brutzeit 2010 hält er nach leichter Bestandserholung im Weinviertel und Wiederbesiedlung von Brutplätzen im grenzübergreifenden Brutgebiet mit Westungarn wieder bei etwa 320 Individuen (Brutzeit 2014).

Seit 1995 wurden in Österreich im Rahmen des Agrar-Umweltprogramms ÖPUL (Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft) zahlreiche spezielle Trappenschutzflächen angelegt. Ihr Ausmaß betrug im Zeitraum 1995 bis 2000 rund 300 ha und erhöhte sich ab 2003 auf rund 5.000 ha. In den letzten Jahren ist auch die Zahl der in Österreich lebenden Trappen wieder auf ca. 320 Tiere (Brutzeit 2014) angestiegen.

Entwicklung der Bestände der Großtrappe
Entwicklung der Bestände der Großtrappe

(Individuen zur Brutzeit) in Ostösterreich von 1940 bis 2014 (blaue Säulen) sowie die Gesamtfläche der ÖPUL-Trappenschutzflächen in Ostösterreich von 1996 bis 2014 (rote Säulen) im Überblick; Datengrundlage: Raab et al. (2010) und eigene Daten.

Im Zeitraum seit 1990 kam es in den zwei österreichischen Teilgebieten Heideboden und Westliches Weinviertel zu deutlichen Populationsanstiegen. Im Hanság, auf der Parndorfer Platte und auf der Rauchenwarther Platte ist der Bestand im selben Zeitraum auf niedrigem Niveau mehr oder weniger stabil geblieben. Im Marchfeld kam es im Zeitraum 1990 bis 2000 zu einem starken Bestandsrückgang von 25 auf 6 Individuen. Seither hat sich der Bestand auf niedrigem Niveau stabilisiert bzw. beginnt wieder leicht anzusteigen. Im Wiener Becken südlich der Donau bestanden bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts einige kleine Brutbestände, von denen heute nur noch einzelne Bruten auf der Rauchenwarther Platte erhalten sind. Abseits der Rauchenwarther Platte lebten im Wiener Becken um 1940 noch mehr als 100 Trappen, 1990 nur mehr 2 und seither ist der Bestand erloschen.

Tabelle: Entwicklung der Trappenbestände (Individuen) in Österreich
 
ca. 1940
ca. 1970
ca. 1980
1990
1996
2000
2003
2006
2010
2012
2015
2017

Westliches Weinviertel

294-387

23-27

20-27

15-20

22

35

40

53

(59-)60

55(-56)

52-53

49(-52)

Marchfeld

55

47

25

12

6

8

5

9

5-7

6-7

4(-5)

Wiener Becken

> 100

15-25

2-3

2

0

0

0

0

0

0

0

0

Rauchenwarther Platte

ca. 20

7-8

2

4

1

1

2

0

0

0

0

0

Heideboden (österr. Teil)

300-400

ca. 20 ?

3-4 ?

0

1

14

34-67

76-93

130-155

117-145

135-293

290-367

Parndorfer Platte

20-30

12

6

6

8

9-10

8

24-26

13-19

12-21

11-26

Mosonszolnok (österr. Teil)

?

?

?

0

0

0

0

0

1

0

0

Hansag (österr. Teil)

40-50

ca. 40

16

14-16

10-14

16-17

24-27

20-22

22-25

13-26

14-31

Ostösterreich gesamt

700-800

150-170

ca. 130

68-73

56-58

74-78

109-144

166-186

244-274

211-407

213-253

368-481

Quelle: Raab et al. (2010) and eigene Daten.

Im Dezember 2002 hielten sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder rund 200 Großtrappen in Österreich auf, da sich auch ein Teil der grenznahen ungarischen und slowakischen Trappenpopulation in den attraktiven Wintereinstandsgebieten im Burgenland einfand. Im Jänner und Februar 2004 konnten sogar 219 Großtrappen in Österreich gezählt werden, 176 davon alleine im Nordburgenland. Zum selben Zeitpunkt hielten sich weitere 32 Trappen im grenznahen ungarischen Trappengebiet auf. Somit umfasste die westpannonische Teilpopulation, also die länderübergreifende österreichisch-ungarisch-slowakisch-tschechische Population, im Winter 2003/2004 insgesamt mindestens 251 Großtrappen.

Im Februar 2014 konnten insgesamt 505 Großtrappen gezählt werden. Somit hat sich der Winterbestand der westpannonischen Population im Zeitraum von 1995/1996 bis 2014/2015 von 129 auf zumindest 505 erhöht. So viele Großtrappen wurden in dieser Region schon mehr als 35 Jahre nicht mehr beobachtet!
In den letzten Wintern hielt sich fast der gesamte Bestand der westpannonischen Population in den attraktiven Wintereinstandsgebieten in Niederösterreich und im Burgenland auf, somit waren in den letzten Wintern seit langer Zeit wieder deutlich mehr als 300 Großtrappen in Österreich anzutreffen.

 

Detaillierte Informationen über die Bestandsentwicklung der Großtrappe in Österreich bzw. der gesamten westpannonischen Population finden Sie in dem Artikel von Raab et. al (2010), der im März 2010 in der Egretta, der wissenschaftlichen Zeitschrift von BirdLife Österreich, erschienen ist. Darin finden sich auch Informationen zu den bisher umgesetzten Schutzprojekten.

Zitat: Raab, R., Kollar, H. P., Winkler, H., Faragó, S., Spakovszky, P., Chavko, J., Maderič, B., Škorpíková, V., Patak, E., Wurm, H., Julius, E., Raab S. and Schütz, C. (2010): Die Bestandsentwicklung der westpannonischen Population der Großtrappe, Otis tarda Linnaeus 1758, von 1900 bis zum Winter 2008/2009. Egretta 51: 74-99.

Egretta im März 2010 (pdf, 1,2 MB)

Zahlreiche Informationen und Bilder finden sie in dem Bildband „Die Großtrappe in Mitteleuropa. Erfolgreicher Schutz der westpannonischen Population“ von Raab, R., Kovacs, F. J., Julius, E., Raab, S., Schütz, C., Spakovszky, P. und Timar, J., der im Jahr 2010 im Rahmen des LIFE Projektes Großtrappe in einer Auflage von 1.500 Stück hergestellt und dessen Druckkosten vom Projektpartner Austrian Power Grid AG übernommen wurden.

Zitat: Raab, R., Kovacs, F. J., Julius, E., Raab, S., Schütz, C., Spakovszky, P. und Timar, J. (2010): Die Großtrappe in Mitteleuropa. Erfolgreicher Schutz der westpannonischen Population. APG, Wien, 304 S.
Bildband „Die Großtrappe in Mitteleuropa. Erfolgreicher Schutz der westpannonischen Population“:

Part 1: Hardcover (1,2 MB)

Part 2: Kern (16,5 MB)